Gallipoli sonnenuntergang in Apulien Amavido

Von Basilikata nach Apulien

“Was will man denn im Winter in Süd-Italien?” Das war meistens die Reaktion, wenn ich jemandem erzählte, dass ich im Dezember eine 5-tägige Rundreise von Basilikata nach Apulien plante. “Da gibt es doch nur Meer und Strände!”

Doch grundlegend optimistisch veranlagt und mit großem Drang nach Sonnenschein, konnte das meine Euphorie nicht dämpfen. Für die Anreise wählte ich den Bus von Rom nach Bari, was sich als eine lange, etwas ermüdende Fahrt herausstellte, weswegen ich hier auf die ziemlich komfortablen Bahnunternehmen Trenitalia und Italotreno hinweisen möchte. Am Flughafen Bari holte ich meine Mutter und unseren Mietwagen ab. Um den Süden Italien kennenzulernen, lohnt es sich wirklich sehr, ein Auto zur Verfügung zu haben.

Goldene Tuffsteinhäuser bei Nacht

Unser erster Stopp ist die Stadt Matera in der Region Basilikata. Hier hatten wir uns ein Zimmerchen in der Nähe der Altstadt gesucht. Nach kurzem Fußweg entlang der Straße erreichen wir das Tor zum historischen Zentrum. Hier erwartet uns eine charmante Piazza mit weihnachtlich geschmückten imposanten Palazzi und einem bunten Weihnachtsbaum. In der Mitte der Piazza befindet sich eine Ausgrabung aus der Römerzeit und dahinter eine Art Veranda mit einer Aussichtsplattform. Von dort aus hat man einen atemberaubende Ausblick auf eine fast schon mystische Landschaft aus uralten Felsenhäusern, die bei Nacht in orangefarbenes Licht getaucht sind.

Matera Nighttime Sassi Travel with Amavido

Matera wurde in der Antike am Rande einer Schlucht erbaut. Die Häuser sind aus Tuffstein geformt, dem Stein, aus dem auch der Berg besteht, auf dem die Stadt mit dem passenden Namen Sassi thront. Die Sassi sind Weltkulturerbe der UNESCO seit 1993 und stehen unter Denkmalschutz.

Von dort aus machen wir uns auf die Suche nach einem guten Abendessen und wählen auf Empfehlung die Osteria Pico. Über enge, nur spärlich beleuchtete Gassen treppauf und treppab erreichen wir schließlich ein uriges Gewölbe. Das ausnehmend freundliche Personal geht zuvorkommend auf unsere Wünsche ein und wir bestellen frisches Gemüse als Primo (Vorspeise), zwei leckere Pastagerichte und den guten roten Hauswein (Primitivo). All das bekommen wir in bester Qualität und zu einem wirklich fairen Preis!

Pasta Osteria Matera Travel with Amavido

Das Kulturerbe von Matera

Der nächste Morgen begrüßt uns mit blauem Himmel und strahlender Sonne. Wir nutzen die Gelegenheit, die Stadt etwas mehr zu erkunden. Bei unserem Spaziergang durch die Sassi – der Ortsteil wird übrigens auch das Bethlehem Italiens genannt – fühlen wir uns wirklich wie in einer Zeitreise. Still und verlassen liegen die “Felseniglos” in ihrer Schlucht inmitten der Stadt Matera. Die meisten Häuser der uralten Siedlung sind unbewohnt. In einigen wenigen befinden sich Bed & Breakfasts sowie Restaurants, die jedoch im Dezember überwiegend geschlossen zu sein schienen. Demnach treffen wir während unseres 1-stündigen Spaziergangs auf nicht mehr als einen älteren Herrn und zwei schwarze Katzen. Sonst ist hier niemand, nur der kalte Nordwind saust uns um die Ohren.

 

Matera Süden Italien Sassi Amavido

Wir gelangen zur San Pietro Caveoso, der Kirche, die sich am anderen Ende der Sassi befindet, direkt am Hang. Von der großen Veranda verliere ich meinen Blick in der weiten zerklüfteten Felslandschaft, die diesen mystischen Ort umgibt. Später erfahre ich, dass die Steinhöhlen der Sassi einst von tausenden von Menschen besiedelt waren, die von Malaria befallen waren. Ein bisschen Melancholie mischt sich unter die Faszination dieses wundersamen Kulturerbes.

 

Auf dem Rückweg entdecken wir das Viertel Civita. Dort liegt der eindrucksvolle romanische Dom. Den Stadtbereich, der die Sassi umschließt, nennt man Il Piano, und er repräsentiert das Mittelalter und die Renaissance-Epoche der Stadtgeschichte. Für die Città Nuova haben wir leider keine Zeit gehabt – doch auch dieser Teil soll sich auf jeden Fall lohnen, denn hier reihen sich diverse elegante Gebäude von berühmten italienischen Architekten aneinander.

 

Lecce – Das Florenz von Apulien

Für uns geht es weiter in den Süden, nach Apulien. Auf dem Weg stoppen wir in Lecce – dem “Florenz des Südens”. Die charmante Barockstadt auf der Halbinsel Salento ist was für Architekturliebhaber und Kunsthistoriker.

Wir flanieren zwischen spektakulären Palazzi und verträumten Gässchen, Feinkostläden, teuren Boutiquen und einer imposanten Burg herum. Dabei verliert sich der Blick immer wieder in den verspielten barocken Details der Gebäude. Mythen und Wappen zieren die edlen Paläste – eine Eleganz, die ich sonst eher mit dem nördlichen Teil Italiens in Verbindung gebracht hatte..  Auch die sauberen Straßen und herausgeputzten Fassaden weisen darauf hin, dass Lecce eine sehr wohlhabende Stadt ist. Faszinierend ist auch die Farbe, in der diese Stadt zu strahlen scheint: honigfarben, erbaut aus dem so genannten Lecce-Stein (pietra leccese), ein besonders weicher und kalkhaltiger Stein aus dem Umland.

Mein Geheimtipp zum Mittagessen: Das niedliche Cafè Syrbar, was günstig, lecker und darüber hinaus sogar mit Fensterplätzen zum Dom ausgestattet ist.

Lecce Apulien Reisen mit Amavido

Für Lecce etwas mehr Zeit einzuplanen, als wir es taten, ist auf jeden Fall zu empfehlen:

Ausgrabungen eines einst 20.000 Zuschauer umfassendes Amphitheaters, der Dom, die Basilika, diverse Kirchen und Museen verteilen sich in der weitläufigen Altstadt von Lecce und laden zu einer spannenden Zeitreise ein, für die man sich ruhig ein paar Tage Zeit nehmen kann.

 
Santa Maria di Leuca – Wo die Meere sich küssen

Meine Sehnsucht nach dem Meer war schon seit Monaten am Überkochen, deswegen war klar: Auf in den richtigen Süden, zur Küste von Apulien! Wir suchen den Strand namens Spiaggia di Pescoluse in Morciano di Leuca auf, der sich lang und menschenleer am Mittelmeer entlang streckt. Wir spazieren an der Promenade bis zum Torre Vado, einem alten Leuchtturm. Dort gibt es einen kleinen Hafen mit einer Mole. Bis auf einige wenige Fischer wirkt diese Gegend im Winter wie ausgestorben, doch irgendwie ist gerade dadurch die Atmosphäre an diesem Ort ziemlich magisch. Und das Mittelmeer erwärmt unsere Herzen genauso wie in den Sommermonaten mit seinem unwiderstehlich leuchtenden Türkis.

Santa Maria di Leuca Strand Reisen mit Amavido

Wir fahren ein Stück weiter Richtung Santa Maria di Leuca zum Punta Ristola, dem südlichsten Punkt Apuliens. Hier treffen das Mittelmeer und die Adria aufeinander. Es lohnt sich, bis zum Felsvorsprung vor zu laufen. Die Adria zur Linken, das Mittelmeer zur Rechten und in der Mitte ein Feuerwerk natürlicher Kräfte: Brechende Wogen, weiße Gischt und dahinter unzählige ineinander wirbelnde Blautöne: Ein unvergessliches Naturspektakel.

Santa Maria di Leuca Meer Bucht Reisen mit Amavido

Das Küstenstädtchen Santa Maria di Leuca selbst ist weniger spektakulär. Aufgrund der fantastischen Lage zwischen den Meeren besteht die Stadt überwiegend aus neu erbauten Privatvillen sowie in den Wintermonaten überwiegend geschlossenen Restaurants. In den Sommermonaten bevölkern hier Scharen von Touristen die Strandbars und nutzen das Städtchen als Ausgangspunkt für das Erkunden der malerischen Umgebung mit diversen Grotten, die nur mit dem Boot zu erreichen sind.

Herzlich, sonnig und schön – Weihnachten in Gallipoli

Die letzte Stadt, die wir in Apulien besichtigten – am Weihnachtstag, dem 24. Dezember – heißt Gallipoli. Man erreicht sie über eine mautfreie Schnellstraße innerhalb von 30 Minuten vom Apartment in Morciano di Leuca. Die Altstadt schwimmt mitten im Meer, auf einer Insel, die lediglich über eine Autobrücke zu erreichen ist. Sie ist komplett von Festungsmauern umgeben. Im Stadtkern wimmelt es von historischen Bauten wie der barocken Kathedrale von Sant’ Agata und dem Palazzo Pirelli, dessen Wände mit wundersamen Fabelwesen verziert sind. Generell vereinen sich unzählige Baustile und -elemente in der kleinen Hafenstadt. Kein Wunder, denn in mehr als 2500 Jahren hatte Gallipoli viele Herrscher gesehen: Griechen, Römer, Goten, Normannen und auch die Spanier und Franzosen hinterließen hier ihre Spuren. Einige Residenzen sind aus demselben gelbfarbenen Tuffstein gebaut, wie die Barockkirchen in Lecce.

Gallipoli Stadt im Meer Amavido Reisen

Gallipoli heißt übersetzt “schöne Stadt” – und das ist sie allemal, doch auch weit weniger wohlhabend im Vergleich zu Lecce, wenn man die abgeblätterten Fassaden der schönen Gebäude näher betrachtet.

Die Menschen hier sind herzlich, die Türen der Häuser stehen offen, es wird gesungen, Kinder spielen Ball auf der Straße und Mutter und Großmutter unterhalten sich angeregt in der Küche über das große traditionelle Weihnachtsessen.

Wir treffen einen Apulianer, der uns von den gastronomischen Traditionen von Weihnachten erzählt. “Heute Nacht gibt es Frittelle mit Tomaten-Mozzarella- und Thunfisch-Füllung. Und die Kinder dürfen bis Mitternacht wachbleiben, denn dann gibt’s Geschenke. Nicht alle, aber die Wichtigsten. Den Rest gibt es dann morgen, am 25. Volete Vino?” Er schwenkt eine Flasche Rotwein vor uns. Ich nicke unsicher: Kann man diese Gastfreundschaft abwehren? Er winkt uns ins Haus, wo uns ein intensiver Fischgeruch entgegenkommt. “Heute wird auch gleich das Essen für morgen vorbereitet, Spaghetti di Mare, Austern, Muscheln oder was man sonst noch so im tyrrhenischen Meer finden kann.” Das Zimmer ist klein, ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum mit vielen Geschenken drum herum steht in der Mitte und nimmt den Großteil des Zimmers ein. Wir fragen uns, wie hier heute Abend eine italienische Großfamilie Platz finden soll?

Neben dem Esstisch stehen zwei große Körbe. In einem liegen merkwürdig geformte Teigkränzchen. Kaum fällt mein Blick darauf, habe ich auch schon einen vor mir liegen. “Probier mal, das sind Cartellate!” Der frittierte Teig in Rosenform wird entweder in Honig oder in Glühwein getaucht, erklärt er mir. Auch “Pettole” darf ich probieren: Runde Teigbällchen aus Hefe und Weizenmehl, die nach dem Frittieren mit Puderzucker versüßt werden. Aus der Küche kommen die Frauen, geben uns Begrüßungsküsschen und versuchen uns zum Essen einzuladen. Das Weinglas wird das dritte Mal nachgefüllt und es scheint, als wolle man uns gar nicht gehen lassen.

“Familie, Freunde, Freundesfreunde – hier in Apulien ist man sehr gastfreundlich. Alle sind bei uns willkommen! Auch wenn wir nicht viel Platz haben.”

Er lacht und macht eine Handbewegung in Richtung Wohnzimmers.

Wir bedanken uns herzlich und verlassen Gallipoli beschwingt und leicht beschwipst, um auf der Promenade die letzten Minuten des Sonnenuntergangs zu bewundern.

Wenn wir heute manchmal noch von Gallipoli sprechen, müssen wir immer an die liebenswürdigen Menschen denken, die uns dort begegnet sind und mit welch simpler Lebensweise sie so strahlen können!

Mein Übernachtungstipp – Capperi! in Morciano di Leuca

Während unserer Zeit in Apulien waren wir untergebracht im Bed & Breakfast Capperi! in Morciano di Leuca – einer zauberhaften und liebevoll eingerichteten Unterkunft unweit von Santa Maria di Leuca und Punta Ristola, dem südlichsten Punkt des Stiefelabsatzes Italiens, wo sich die beiden Meere treffen.

Capperi! wurde mit viel Liebe zum Detail von einem italienischen Pärchen entworfen. Mit Fußbodenheizung, großem Fernseher, riesiger Sonnenterrasse und voll ausgestattetem Badezimmer hatten wir in der modernen stilvoll eingerichteten Maisonette-Wohnung allen Komfort, den man sich wünschen kann. Modern, ja – aber gleichzeitig ist das Capperi! absolut typisch italienisch – verwinkelte Wege, kleine Steinmäuerchen, überall Blumen und Pflanzen und am Morgen sonnt sich die Katze im schattigen Hof.  Zum Frühstück gab es regionale Spezialitäten, die von hausgemachten Küchlein, Marmeladen, frischen Südfrüchten bis hin zu herzhaften Köstlichkeiten reichen.  Obwohl man es als Veganerin in Italien manchmal etwas schwer hat, schaffen Marco und Valentina mich trotz meiner Extrawünsche jeden Morgen zu mästen – wie sich das zu Weihnachten in Italien eben gehört!..

Capperi Bed and Breakfast Morciano di Leuca Apulien Amavido

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Slow Food - Das Gute der Langsamkeit

Häufig sind unsere italienischen amavido Gastgeber der b&b, Ferienhäuser oder Verbreiteten Hotels auch gleichzeitig Bio-Bauern und Hersteller von Slow Food Produkten. Vincenzo Carola in Agropoli zum Beispiel ist leidenschaftlicher Koch spezieller Fischgerichte und gehört damit zum Slow Food Cilento. https://www.amavido.de/unterkunft/casa-vincenzo Preisgekrönte Weine hingegen könnt Ihr bei Pascale Marquet im Agritourismus San Marcello genießen. https://www.amavido.de/unterkunft/agriturismo-san-marcello . Sie und viele andere amavido hosts sind in ihrem Lebens- und Ernährungsstil an gesunder und lokaler Qualität interessiert. Deshalb freuen wir uns sehr, dass unsere Gäste besonders neugierige Reisende sind und sich sehr für altbewährte italienische Herstellungsweisen und beim schönen italienischen Essen natürlich für das köstliche gesunde Produkt begeistern! amavido unterstützt mit seiner Arbeit die Slow food Philosophie und deshalb berichten wir gerne von seiner Entstehung und wertvollen Tätigkeit weltweit.

Also: Folgt der Slow Food Schnecke! Macht mit und lebt slow! Warum? Das lest Ihr hier …

Slow Food - Das Gute der Langsamkeit

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Ein Deutscher in Italien - Auswandern ins "Land, wo die Zitronen blühen..."

Die Italiensehnsucht der Deutschen ist legendär und Auswandern nach Italien für viele ein Traum. Aber was, wenn der Traum wahr wird..? Unser Gastautor Dr. Rüdiger Tessmann ist Neurologe und Psychiater im Ruhestand. Er lebt mit seiner Frau seit 1999 in Ligurien in Norditalien und berichtet von seiner bedeutenden Lebensentscheidung und den ersten Schritten in “Bella Italia”. Ob der Traum vom Süden wohl Realität geworden ist…?

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Geisterdörfer Italien amavido

Der Beginn eines neuen Jahres bringt immer eine gewisse Spannung mit sich. Wir beenden das alte Jahr oft mit einer reflexiven Haltung, gewissermaßen einer prüfenden Betrachtung dessen, was hinter uns liegt. Und dann folgen Vorfreude und Erwartungen an ein neues, spannendes Jahr.

Was Geisterdörfer in Italien damit zu tun haben? Lass’ uns gemeinsam einen Blick hinter die Fassaden eines kleinen Reiseunternehmens werfen.

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