Italienisches Glück

Wir Menschen ticken so wahnsinnig unterschiedlich in unseren Bedürfnissen und Interessen, aber eine Sache haben wir alle gemein: Wir suchen das Glück.

Doch was ist eigentlich Glück? Und haben wir Einfluss auf das Ausmaß unseres Glücks und unseres Unglücks?

Was ist eigentlich Glück?

Für manche mag die Frage nach Glück leicht sein und ist vielleicht mit einem aktuellen Wunsch zu beantworten. Das größte Glück für meine kleine Schwester wäre es, endlich ein iPhone zu besitzen wie ihre beste Freundin. Mein Bruder träumt schon lange von einem eigenen Auto.  Aber verstärkt der Wunsch nach materiellen Dingen nicht eher die negativen Gedanken des Nichthabens? Machen wir uns damit nicht abhängig von unseren Glücks-Wünschen und damit selber unglücklich?

Ich denke, dass unser Glück viel mehr in der Wertschätzung bestimmter Situationen zu finden ist. In der Bewusstwerdung, dass das wir in diesem Moment gerade alles haben, was uns zufrieden macht – wenn wir es zulassen. Ein Familientreffen, das Wiedersehen von Freunden, ein schöner Spaziergang im Wald und die Sonnenstrahlen auf unserer Haut – oder vielleicht auch einfach mal nichts tun: All das sind Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten. Doch uns ist gar nicht bewusst, dass wir aus diesen Momenten, wenn wir sie bewusst(er) wahrnehmen würden, Glück ziehen können.

Hier in der westlichen Welt befinden wir uns meist irgendwie zwischen dem, was wir als Glück und Unglück bezeichnen. In einem Zustand, in dem wir eigentlich zufrieden sein könnten – wäre da nicht dieses immer wiederkommende Streben nach etwas Besserem, welches alltägliche Situation und selbst schöne Momente automatisch in ein schlechtes Licht rückt.

Unglücklichsein durch ständige Mobilität und Werbung

Ob im Internet oder auf der Straße – an jeder Ecke zeigt uns die Werbung, was uns noch alles fehlt, um glücklicher, gesünder, schöner und hipper zu sein.

Und wir fallen immer wieder darauf rein und konsumieren die Produkte, bis sie uns nach kürzester Zeit wieder anöden.

Doch ist es nicht so, dass wir uns meistens am Besten fühlen, wenn wir von all dem mal etwas Abstand nehmen? Wenn wir unseren Blick von der Außenwelt abwenden und nach Innen schauen? Um zu verstehen, worauf wir eigentlich gerade selbst Lust haben und was uns glücklich machen könnte?

Wir haben Angst, wir könnten uns langweilen oder nicht up-to-date sein, wenn wir nicht überall und zu jeder Uhrzeit am Handy die neusten Infos aus der Welt und von unseren Freunden bekommen.

In Wirklichkeit ist genau das aber der sichere Weg, sich selbst unglücklich zu machen. Was uns fehlt, wird genau dann am deutlichsten, wenn wir nachschauen und vergleichen, was die Anderen gerade alles tolles machen und was wir alles noch aus der Werbung haben müssen!

Wir leben in einer Welt, in der wir ständig in der Angst leben, etwas zu verpassen, weil wir uns permanent anschauen, was unsere Freunde gerade alles Tolles machen.

Es geht soweit, dass wir jeden schönen Moment, den wir durchleben, umgehend mitteilen wollen, damit alle daran teil haben. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, wissen wir ganz genau: Das machen wir nicht in erster Linie, um andere an unserer Freude teil haben zu lassen.

Warst du gestern nicht auch angefressen, als du den Post vom Bungee Jumping in Neuseeland gesehen hast, während du 8 Stunden im Büro sitzen mussten und Excel-Tabellen vor dem PC ausgefüllt hast. Der Frust hat dich zwar bis ins Bett begleitet, aber trotzdem wolltest du am Abend noch einen schicken Rooftop-Bar Cocktail bei Instagram teilen, den du dir gegönnt hast.

Und wie glücklich warst du dabei? Und der Bungee Jumper – wie sehr hat er seinen Sprung genossen mit dem Smartphone in der Hand? Und wie sehr hätte er es genossen ohne?

Halt die Augen offen fürs Glück

Neue Technologie zu verfluchen ist nicht meine Absicht, aber ab und an sollte man sich vielleicht fragen: Erlebe ich die Dinge in meinem Leben, um sie zu genießen und mit dem Herzen aufzunehmen oder um sie zu fotografieren und in sozialen Netzwerken zu zeigen? Genau hier verpassen wir oft die Möglichkeit, uns wirklich glücklich zu fühlen.

Das ist schade, zumal ich so oft diese Menschen meckern höre, wie unglücklich sie sich fühlen –  und dabei verschließen sie die Augen vor all den glücklichen Momenten, die an ihnen vorbeiziehen!

Ich war vor einiger Zeit mit einer Freundin im Urlaub. Es war wirklich schön und wir hatten alles, was wir wollten. Sie selbst wirkte aber nicht wirklich glücklich und ich beobachtete täglich, wie sie neidvoll einer Freundin auf Instagram folgte, die gerade auch im Urlaub war. Ohne es zu bemerken, empfand die dabei ihre eigene Urlaubssituation als schlechter.

Kann man sein Glück beeinflussen?

Ich glaube definitiv daran, dass das geht. Natürlich kann man mal einen schlechten Tag haben und sich durch nichts wirklich aufmuntern lassen, solche Tage kennen wir alle. Man muss nur versuchen, in allen Situationen etwas Positives zu finden. Warum schlechte Laune bekommen, weil es regnet anstatt dem beruhigendem Geräusch der auf die Dächer fallenden Tropfen zu lauschen und den sauberen Geruch der Pflanzen einzuatmen. Sich zwischendurch einfach mal zu strecken, aufrichten und tief durchatmen löst aufkommende Unzufriedenheit und ein Lächeln an sich selbst und schöne Musik geben einem mit Leichtigkeit ein fröhliches Gefühl. Man muss für sich selbst erkennen, dass man sich selbst akzeptieren muss, egal wo man gerade steht, um glücklich zu sein und das Glück auch im Alltag zu erkennen.

Strand Glück Urlaub mit Amavido

Glück durch Reisen

Als Dante auf seiner Jenseitsreise im Paradies ankommt, trifft er dort auf eine Seele des äußersten Himmelkreises. Dieser ist am weitesten von Gott entfernt und Dante fragt sie, ob sie nicht traurig sei, zwar im Paradies aber doch weit entfernt von Gott zu sein. Sie erklärt ihm darauf hin, dass sie mit ihrer Situation vollkommen zufrieden ist, da sie im Paradies und wunschlos glücklich sei. Alle würden Gottes Liebe abbekommen und in einer Einheit mit ihm sein, würde man nach mehr streben, so würde man sich gegen Gott und seine Seeligkeit wenden, was aber keiner will, da so oder so jeder zufrieden und seelig ist.

Natürlich befinden wir uns auf keiner Reise im Jenseits wie Dante in seiner Divina Commedia, aber wir können versuchen, auf unseren eigenen Reisen, sei es die des Lebens oder schöne Urlaube und Abenteuertrips, zufrieden und glücklich mit dem zu sein, was wir erleben. Der Urlaub, den wir lange herbeigesehnt haben, sollten wir uns durch nichts vermiesen lassen; schon gar nicht durch das Gefühl, dass wir es hätten besser haben können. Einfach mit offenem Herzen und wachem Geist (am besten ohne das Handy als Dauerbegleiter) das genießen, was wir haben und es dadurch eindeutig als glückliche Zeit wahrnehmen, beschert uns doch das Glück, nach dem wir uns immer sehnen.

 

Italienisches Glück

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