Coro's Hund vor den Murales

Carolin ist freie Journalistin mit Fokus auf Tiere, Natur und Reisen. Auf ihrem Blog Tierisch in Fahrt berichtet sie vor allem über die Reisen mit ihrem Hund János. Auf ihrer großen Italienreise hat sie amavido Gastgeber Karin und Salvatore im sizilianischen Bergörtchen Graniti getroffen. Entdeckt hier zusammen mit Carolin die Geheimtipps Sizilien’s rund um die Kunst der Murales-Malereien, grandiose Kreationen von Kulinariker Salvatore, das Dachzeltdorf Granitis und die Schluchten Alcantaras:

Graniti – ein sizilianisches Bergstädtchen zum Verlieben

Diese Reise durch Italien, das erste Mal komplettes Überwintern im Süden, ist geprägt von Zufällen und damit verbundenen neuen Bekanntschaften. Einer dieser Zufälle war die Einladung von Karin und Salvatore, ohne die wir vermutlich nicht in Graniti gelandet wären…. Graniti – klingt niedlich und ist niedlich! Graniti ist ein uriges Bergstädtchen am Fuß des Ätna, unweit von Taormina, aber weit abseits der typischen Touristenpfade. Graniti ist noch ein echter Insider Tipp für Sizilien. Umrahmt von steilen Hängen ehemaliger Weinterrassen, inmitten von Oliven-, Orangen, Mandarinen und Zitronen-Bäumen, mit seiner der Öffnung zum rund 15 km entfernten Meer hin, das silber-blau am Horizont glitzert, mit all‘ dem hat es uns verzaubert. Aber da ist noch etwas ganz anderes, was Graniti so besuchenswert macht.

Geheimtipps Sizilien - Blick von Graniti

Karin und Salvatore – Rückkehrer nach Sizilien

Wir sitzen auf der Terrasse bei Salvatore und Karin und probieren typisch sizilianische Köstlichkeiten: Paté aus wildem Fenchel, Orangensalat, Caponata, die jetzt im Frühling frischen und süßen Erbsen direkt aus der Schote und und und. Wir genießen und lauschen: Salvatore erzählt uns, wie er und Karin sich vor rund zwölf Jahren entschlossen, von der Schweiz in Salvatores Heimatdorf Graniti zu ziehen. Das sizilianische Dolce Vita mit mehr Sonne, mehr Meer, mehr mediterranem Genuss zog sie zuvor immer wieder in den Süden. „Wie oft packten wir im Schweizer Winter Prosecco und Panettone ein und fuhren zu Weihnachten mit dem Nachtzug hinunter nach Sizilien“ erinnern sich die beiden. Irgendwann wurde die Sehnsucht zu groß und so treffen wir das Paar vor Lebensfreude, Gastfreundschaft, Tatendrang und guten Ideen nur so sprudelnd nun in Graniti an. Nach dem Essen und einer professionellen Verkostung von Olivenöl (Salvatore erntet eigenes Olivenöl und begibt sich in die Ausbildung zum Olivenöl-Sommelier), zeigt er uns sein Graniti und wir haben erneut Grund zum Staunen.

Karin und Salvatore in Graniti

 

Kunstwanderung durch Graniti – Geheimtipps Sizilien

Teils durch enge, steile Gassen, teils über offene Plätze, entlang von Balustraden und einem Aussichtspunkt wandern wir kreuz und quer durch den Ort und entdecken an Wänden und Mauern Gemälde ganz unterschiedlicher Kunstrichtungen. Wir befinden uns auf dem „Graniti Murales Art Walk“, der bis jetzt 35 Kunstwerke umfasst, zukünftig sogar noch weiter wachsen soll. Rund zwei Stunden benötigen wir für diese Tour. Derweil wir die Wandmalereien betrachten, fängt János die darauf umher huschenden Eidechsen. Auch er hat also seinen Spaß und ist anschließend so ausgepowert, dass wir in Ruhe in eines der typisch sizilianischen Cafés am Hauptplatz auf einen Cappuccino einkehren können – In der Auslage wieder verlockendes Mandel- und Pistaziengebäck, wie so oft in den Cafés Siziliens.

Murales Kunstwerk

Salvatore berichtet uns zum Hintergrund des Kunstprojekts: Die Einwohner Granitis heißen nationale und internationale Künstler willkommen.  Die Künstler können im Rahmen eines Artist in Residence Programms des kulturellen Vereins Artproject Graniti nach Sizilien kommen und haben in Graniti die Möglichkeit im Öffentlichen Raum zu arbeiten und zu präsentieren. Dabei geht es nicht nur um die Wandmalereien, auch für Musik und andere Kunstformen und -Ideen, die Graniti bereichern können, ist der Verein aufgeschlossen. Das interessante Artspace Atelier, ein Gebäude in typisch sizilianischer Bauweise mit offenem Innenhof sowie eingemischten modernen Elementen und einem großen Steinofen zum Brotbacken steht für Planung, Vorbereitung und Zusammenkünfte zur Verfügung. Die Bewohner Granitis, insbesondere die Kinder, werden teilweise in die Kunstprojekte mit einbezogen, das Dorf wird belebt und verschönert, ein internationaler Austausch findet statt und befruchtet die Lebensqualität, eine Win-Win-Situation! „Irgendwie ist das wie ein Selbstläufer. Dort wo Kunst entsteht, liegt plötzlich kein Müll mehr herum, die Einwohner Granitis halten sich gerne an diesen Orten auf, stellen sogar Blumen dorthin. Während des Arbeitsprozesses kommt es oft vor, dass die Einheimischen den Künstlern Snacks und Getränke bringen. Man kommt ins Gespräch“, beschreibt Salvatore. Und auch wir spüren die Offenheit Granitis bei unserem Rundgang. Die Leute lächeln, fragen woher wir kommen, versuchen mit uns über das ein oder andere Wandbild zu sprechen. Hätten wir doch bloß mehr Italienisch gelernt!

Murales in Graniti

Von sizilianischen Köstlichkeiten – Ideenschmiede Tasting Sicily

Ist man einmal in Graniti sollte man sich einen Besuch in Salvatores Schlemmereien-Schmiede „Tasting Sicily“ nicht entgehen lassen. Die Produktionsstätte sizilianischer Köstlichkeiten befindet sich in der Via Monsignor Francesco Maria Di Francia 8 und ist eigentlich kein öffentlicher Laden (der Vertrieb findet online statt). Anklingeln lohnt! Ist Chef Salvatore selbst vor Ort, empfiehlt er sicher eines seiner Öle, Pesti oder Fruchtaufstriche. Wir haben uns dort mit Leckereien eingedeckt, die wir nun auf unserer Rückreise gen Nord genießen und dabei in Erinnerungen an Sizilien schwelgen. Tipp: Trefft ihr Salvatore, fragt auch mal nach Karins Naturseifen! Noch experimentiert Karin mit Zutaten aus der Natur rund um Graniti. Wir hatten das Glück ihre Seifen aus Olivenöl mit Lorbeer, Mandel und Orangeblüten testen zu dürfen. Herrlich! Vielleicht entsteht zukünftig ein kleiner Naturkosmetikladen in Graniti. Auch eine Destillerie für Brände aus regionalen Früchten ist in Planung. Karin und Salvatore scheinen die Ideen nicht auszugehen.

Orangen

Dachzeltdorf und Wohnmobil-Stellplatz im Olivenhain

Seit ihr wie wir im Van unterwegs habt ihr die Möglichkeit unterhalb Granitis im Olivenhain zu campen. Der Stellplatz für fünf Mobile, auf dem es zukünftig auch Strom, Wasser und Duschmöglichkeit geben wird, ist guter Ausgangpunkt für das von dort in ca. 15 Gehminuten zu erreichende Graniti, sowie Ausflüge in die ansprechende Gegend rund um. Wir fühlten uns dort sehr wohl und fanden es toll morgens den Hahn krähen, die Schafe blöken und den Esel wiehern zu hören – die waren deutlich lauter als die nachts wenig befahrene Straße oberhalb. Am Hang oberhalb soll 2022 ein Dachzeltdorf entstehen.

Wer lieber ein festes Dach über dem Kopf haben möchte, fühlt sich bestimmt in den schönen Ferienwohnungen von Karin und Salvatore wohl. Es umfasst vier Wohnungen mitten in Graniti. Im Ort gibt es einen kleinen Einkaufsladen, einen Bäcker, eine Apotheke, mehrere Cafés und Bars, eine Post sowie eine Tankstelle (für große Wohnmobile aber schwer zu erreichen. Die Straßen im Ort sind eng und verschlungen!)

Hundeblog Dachzeltdorf

Ausflugstipps rund um Graniti

Wie anfangs erwähnt, liegt Graniti idyllisch den bergigen Ausläufern des Ätna. Die Landschaft rundum ist wirklich spektakulär. Nehmt ihr Graniti als Ausgangspunkt bieten sich von dort folgende Ausflüge an. Neben den Klassikern wie die Ätna-Wanderung oder Taormina mit seiner Isola Bella haben wir hier noch ein paar Insider Tipps für euch:

– Drehorte des Mafia-Epos „Der Pate“: Man verortet die Filmszenen vielmehr in der Gegend rund um Corleone (wir zumindest!), doch wurde „Der Pate“ im Tal bei Graniti gedreht. Salvatore überraschte uns mit dieser Info. Vielleicht habt ihr Glück und erkennt als Fans und Filmkenner einige Ansichten, oder ihr fragt Salvatore!

– Hinein in die Schlucht von Alcantara: Der Alcantara-Fluss hat sich tief ins schwarze Lavagestein eingegraben und fantastische Gesteinsformen geschliffen. Die bekannteste Stelle sind die „Gole dell’Alcantara“, wo man barfuss im Fluss an einer der engsten Stellen in die Schlucht hinein wandern kann. Zugegeben kein echter Insider Tipp für Sizilien mehr, aber unbedingt sehenswert!

– Baden mal anders: Anstatt an’s Meer zu fahren bietet sich zur Abwechslung auch der kleine Lido di Graniti mit klarem kalten Flusswasser, Kletterbäumen und einer Picknickwiese. Um ihn zu finden fragt ihr am besten mal in Graniti nach, nehmt dann die Straße Richtung San Cataldo (SS185) und zweigt links in den Sentiero Rive dell’Alcantara. Der Weg ist eng aber nach einigen Metern erreicht ihr einen großen Parkplatz direkt an der Picknickwiese. GPS: N 37°51’47.5236” E 15°12’28.8”.

– Besuch der sizilianischen Tierschutz-Ranch: Tier- insbesondere Pferdefreunde sollten dem New Ranch Club in Calatabiano (Ortsteil San Marco) einen Besuch abstatten. Natalie und Agostino bieten Reitstunden auf ihrer traumhaften Ranch, sowie Reitausflüge an den schönen Strand von San Marco oder in die umliegende Vulkanlandschaft. Aber auch wenn man nicht reiten kann oder möchte, bietet sich die Ranch für eine Kaffeepause an, zwischen Kakteen und Zitrusbäumen, frei umher laufenden Pferden, der Ziege Viola und den Minischweinen Bongo Bongo und Pinki. Natalie ist sehr engagiert im Tierschutz und hat auch eine Hundeauffangstation auf der Ranch. Mehr über die New Ranch lest ihr in meinen Blogbericht „Die Tierschutz-Ranch auf Sizilien“

– Sissis Bahnhof: Von der Straße aus unscheinbar, fährt man schnell am Bahnhof von Taormina-Giardini Naxos vorbei. Ein Stopp lohnt. Innen wartet das Gebäude mit verschnörkelten Deckenmalereien, nostalgischen Kronleuchtern und Wartehallen im Jugendstil auf. Der Bahnhof erhielt sein hübsches Aussehen 1866, anlässlich des Besuchs der österreichischen Kaiserin Sissi. Auch er war übrigens Drehort für eine Filmszene in „Der Pate“.

Sissis BahnhofTierschutzranch

 

Carolin mit ihrem HundCarolin mit ihrem Hund János

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Written by Carolin Hlawatsch
Ciao, ich bin Caro und zu mir gehört mein Freund Maik und mein drahthaariger Vizsla János. Zusammen bilden wir das „ Tierisch-in-Fahrt-Team“ und sind, so oft es geht, gemeinsam im Van in Europa unterwegs, mit Vorliebe in südlichen Gefilden. Den Winter 2020/2021 haben wir in Apulien und auf Sizilien verbracht und waren schwer begeistert. Als Fulltime-Vanliferin und freie Journalistin begebe ich mich auf die Spuren spannender Tier-, Natur-, und Reisegeschichten, über die ich dann in verschiedenen Medien aber auch auf meinem Blog tierisch-in-fahrt.de berichte. Meine Liebe zu und mein Wissen über Tiere und Natur schärfte ich während meines Tiermanagement-Studiums in den Niederlanden, meine Passion für’s Reisen war irgendwie schon immer da! Jetzt aber Schluss, genug zu meiner Person... das nächste Abenteuer wartet schon draußen vor der Van-Tür ;)