Ferrara Busker Festival Reisen mit Amavido

Ferrara ist ein hübsches Renaissance-Städtchen in Emilia-Romagna. Doch jährlich im Sommer verwandelt es sich in ein musikalisches Spektakel mit unwiderstehlichem Charme. Straßen voller Musiker, Künstler und Kulturinteressierten aus der ganzen Welt – das ist das Ferrara Buskers Festival!

Seit 1987 wird es jährlich von über 800.000 Besuchern und 1.000 Künstlern besucht – und heute ist es eines der größten Straßenmusikfestivals der Welt! Ich möchte euch mit auf meine kleine Reise  zum Ferrara Buskers Festival 2017 nehmen, welches dieses Jahr 30-jähriges Jubiläum feierte. Ein Event, das ich mir als Musikerin und Kunstbegeisterte nicht entgehen lassen konnte!

Verzaubert von Düften und Klängen

Es ist ein schwüler Nachmittag, an dem ich das erste Mal die kleine Stadt Ferrara besuche. Die Straßen liegen ruhig da, selbst auf der großen Piazza della Repubblica mit dem Schloss Este – der ganze Stolz und das Herz Ferraras – tummeln sich nur vereinzelte Menschengrüppchen. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und wenig deutet darauf hin, dass hier am Abend eines der größten Straßenmusik-Festivals der Welt stattfinden würde.

Ganz im Gegenteil, alles wirkt unglaublich ruhig für eine italienische Stadt. Vielleicht liegt es auch an der ungewöhnlichen Tatsache, dass es trotz der recht breiten Straßen kaum Autoverkehr gibt. Tatsächlich erzählt mir später eine Einheimische stolz, dass Ferrara als die Fahrradstadt Italiens gilt!

Ferrara Buskers Festival Reisen mit Amavido

Wir – das heißt ich und die italienische Folk-Band Mattia Caroli & I Fiori del Male, die ich zum Festival begleite – besuchen die Anmelde-Zentrale des Festivals, lassen uns den Spielort zuteilen und suchen anschließend nach einem Hunger stillenden Aperitif. Am späten Nachmittag etwas zu essen zu finden in Italien (und dann noch als Vegetarier), gestaltet sich wie üblich schwierig – jedoch nicht unmöglich. Die hungrigen Jungs begnügen sich mit Piadina – einem regionstypischer Teigfladen, meist gefüllt mit Parmaschinken, Ruccola, Tomaten und/oder Mozzarella. Ich nehme ein leckeres Frucht-Gelato.
Als wir gegen 18:30 zurück ins Stadtleben treten, ist das Ambiente wie verwandelt:

Es duftet nach den leckeren Spezialitäten aus der Region Emilia Romagna und an jeder Ecke haben kleine Stände aufgemacht, bei denen man Kostproben, frisch gezapftes Bier oder Weine der Region bekommt. Die Getränkepreise sind überraschend fair und auch das Essen ist bezahlbar. Die Piazze und Gassen sind gefüllt mit Menschen: Junge, Alte, Einheimische, ausländische Touristen, Familien und Musiker-Fans – eine wirkliche Zielgruppe ist nicht zu identifizieren.

Nicht zu vergessen sind die  Künstler und Bands, von denen das Festival natürlich erst zum Leben erweckt wird. Alle 20-30 Meter zieren sie das Stadtbild: Ob Solo-Songwriter, Bands, Straßenkünstler, Artisten oder Feuerspucker, ob laut, sanft, rockig, mit eigenen Liedern oder Klassikern im Repartoire – die Vielfältigkeit ist wirklich riesig!

Musikalische Einstimmung

Da ich vor allem aus musikalischem Interesse vor Ort war, möchte ich einige der Musiker vorstellen, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Auch wenn es bei einer Anzahl von über 1000 Künstlern unmöglich ist, alle zu nennen oder gar ausreichend wertzuschätzen. Deswegen nur meine Favoriten aus dem Bruchteil des Angebots:

Bei unserem zweiten Aperitif (einem Bier) saßen wir zusammen am Tisch mit dem Singer-Songwriter Peter Jones. Er hielt seine Gitarre in den Händen und wir unterhielten uns ein wenig. Irgendwann begann er einfach zu spielen und schnell kehrte in der kleinen Bar Ruhe ein. Alle Augen richteten sich auf den Vollblutmusiker Peter, der mit tollem und einzigartigen Songwriting fasziniert sowie seiner bewegenden emotionalen Stimme. Beim Ferrara Buskers Festival trat der langjährige Straßenmusiker aus Kopenhagen mit zwei weiteren Musikern unter dem Namen Peter Jones & The Lazy Bandits auf.

Die Welt zu Hause in Ferrara

Bei einem Rundgang über den Platz fiel mir vor dem Rathaus eine Gruppe von drei Jungs auf, die etwas besorgniserregend im Stil der Hard-Rock-Band Kiss geschminkt waren: Die australische Band Kallidad ist extra aus Sydney angereist. Die Besetzung besteht lediglich aus zwei spanischen Gitarren und einem Percussionist. Doch mit dieser kleinen akustischen Besetzung geben die drei Jungs wirklich Power!

Sie kombinieren Flamenco mit mexikanischer Volksmusik (Mariachi) und beleben das ganze mit dynamischen Rock- und Metal-Einflüssen. Ob weiß-geschminkte junge Mädels mit Nietengürtel, tanzende Kinder oder bunte Rucksack-Hippies: Das Publikum ist mindestens genauso kontrastreich und vielfältig wie die Musik. Ihnen mangelt es auch nicht an alt-eingessenen Fans, wie mir auffällt. Diverse Leute tragen Band-Shirts oder Taschen und eine junge schwarzhaarige Frau verkauft die Merchendise-Artikel in einem Einkaufs-Trolley. Ihr Fame-Status überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass Kallidad  schon seit mehreren Jahren durch die ganze Welt touren. Im letzten Jahr wurden sie auf dem Buskers Festival übrigens vom Publikum als beliebtester Act gewählt.

Ferrara Buskers Festival Kallidad Amavido

Etwas später am Abend stoße ich auf den herzerwärmenden Indie-Songwriter Sleepwalker’s Station aus Deutschland. Jeden Abend tritt er mit anderen Musikern beim Ferrara Buskers Festival – und alle kommen sie aus anderen Teilen der Welt.

Faszinierend ist dabei, dass er immer wieder schafft, dieselbe intime Atmosphäre mit seiner introvertierten und besinnlichen Musik zu zaubern – ganz egal, ob in einer kleinen Seitengasse oder auf der großen Piazza. Die Lieder des Münchener Songwriters Daniel handeln von weiten Reisen und er singt in fünf verschiedenen Sprachen. Sehr schön und authentisch!

Ferrara Buskers Festival Amavido Sleepwalkers Station

 

Auch die Stiefelbewohner bereichern das Festival!

Tanzbar und unterhaltsam hingegen war die Indie-Folk-Gruppe Mattia Caroli & I Fiori del Male. Die Bandformation mit Gitarre, Gesang, Bass und Schlagzeug wäre genre-typisch gewesen, wäre da nicht der Trompeter noch, der mit virtuosen Soli der Band einen ganz eigenen Klang verschafft. Er wechselt eindrucksvoll zwischen Trompete, Glockenspiel und Ukulele ab und unterstützt die eingängige Melodien des charismatischen Sängers mit Zweitstimmen. Professionell und toll arrangiert spielen sie ihr Album in einer der romantischen engen Seitengassen. Nach kurzer Zeit ist es hier so voll, dass man kaum noch passieren kann. Kinder tanzen durch Seifenblasenregen und junge Italienerinnen schauen den Vollblutmusikern verträumt beim Musizieren zu. Selbst wer hier nur mit einem Ohr hinhört, streift mit einem Lächeln an der Indie-Gruppe aus Rieti vorbei.

Mattia Caroli & Fiori del Mare Ferrara Buskers Festival Amavido

Mattia Caroli & Fiori del Male Ferrara Buskers Festival Amavido

 

Abgesehen von den musikalischen Acts blieb mir noch Stefania Frigo mit Arte Anita im Gedächtnis. Sie verdelte die Piazza mit einer riesigen Jesus-Malerei auf dem Steinboden. Die ehemalige Kunststudentin aus Italien malt seit vielen Jahren und ihre Werke haben immer Gottesbezug, denn – so sagt sie – jedes davon ist für sie Gebet oder ein Dankeschön.

Arte Antica Ferrara Buskers Festival Amavido

Auch an viele strahlende Kinderaugen mit glitzernden Gesichtern erinnere ich mich lächelnd zurück. Sie wurden von der Facepainting-Künstlerin Lella Montella bemalt.

Bis zum nächsten Sommernachtstraum

Doch im Grunde lebt das Festival nicht von einzelnen Künstlern, sondern tatsächlich von dem Zusammenspiel der warmen italienischen Sommernächte, der eindrucksvollen Bauwerke Ferraras, dem vielseitigen Programm und dem unkonventionellen und unkommerziellen Ambiente.

Mit wenig Firlefanz ist hier ein Festival entstanden, das viele künstlerische Facetten zeigt. Wenn ich an die schönen Abende in Emilia Romagnas Renaissance-Perle Ferrara zurückdenke, tanzt mein Herz aufs Neue. Auf ein baldiges Wiedersehen!

Facepaint Ferrara Buskers Festival Amavido

 

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Written by Leonie
Schreiben, Kultur und Reisen - das sind meine drei Leidenschaften. Bei amavido habe ich einen Ort gefunden, wo sich diese Komponenten verbinden lassen. Ich bin Leonie, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Brandenburg, inmitten weiter Felder an einem See und schreibe für das amavido-Magazin. Die Liebe zur Natur und zum Entdecken hat mich durch viele Länder gezogen - von Griechenland über Australien bis hin nach Kambodscha und Indonesien. Letztes Jahr war ich sechs Monate im wunderschönen Italien und durfte die faszinierende Kultur, die Mentalität und die Sprache des Landes kennenlernen. Ich möchte meine Erfahrungen, Gedanken und Eindrücke mit euch teilen und hoffe damit eure Lust auf bewusstes Reisen, Slow-Food und fremde Traditionen zu wecken. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!