Echte Italienliebhaber und -kenner wissen: Dieses Land Italien steckt voller verborgener Schätze, lebt von Überraschungsmomenten und schreibt die schönsten Geschichten! Heute geht es um eine von ihnen. Dies ist die Geschichte von einem Abenteuer, einer gemeinsame Liebe und einer Expedition in die Abruzzen. Eine Reise, die mich von Berlin, über Rom in die kleine Region abseits vom Massentourismus geführt hat, in der vergessene Dörfchen und alpine Berglandschaften auf die Adriaküste treffen. Und zu amavido…

Hi, ich bin Juliane und erst seit kurzem Teil der amavido Community. Ursprünglich stamme ich aus Berlin, also weder aus Italien, noch aus einem kleinen versteckten Dorf. Und auch mit dem Tourismus hatte ich bisher, abgesehen von einem Praktikum und einem Studentenjob, kaum Berührungspunkte. Wieso es trotzdem nur eine Frage der Zeit war, dass ich irgendwann in Italien und bei amavido lande, das will ich euch heute erzählen.

Alle (Um-)Wege führen nach Rom

Na gut, wenn man es ganz genau nimmt, dann war mein Weg zu amavido nicht ausschließlich eine Frage der Zeit! Viel eher war er das Resultat einer räumlichen Veränderung. Im Mai 2018 habe ich meine geliebte Heimatstadt Berlin gegen ein kleines Dorf in den Abruzzen eingetauscht: Also tiefste Italienische Provinz. Zugegeben, das Landleben war nicht nur ein neues Kapitel für mich, sondern in der Eingewöhnung teilweise auch eine echte (Grenz-)Erfahrung. “Die Sache mit Italien” begleitet mich aber schon eine ganze Weile.

#KEEPDREAMINGITALY in einer Gasse von Monti. Bevor es in die Abruzzen ging, war Rom mein liebster Abenteuerspielplatz!

Meine erste große Liebe war Rom. Fasziniert von der Stadt und all ihren Facetten habe ich seit meinem 15. Lebensjahr jede freie Minute, bzw. jeden Urlaub dort oder zumindest in Italien verbracht. Ein Urlaubsflirt, eine Punk-Rock-Band und mein unstillbarer Appetit waren dabei nicht unbeteiligt. Ich mochte Sprache, Essen und Wetter und fand es ganz cool einen Freundeskreis in einer anderen Stadt zu haben.

Knapp 15 Jahre später hat es mich aber in Roms bergige Nachbarregion verschlagen, knapp 1,5 Stunden von der Hauptstadt entfernt. Wenn ich nicht gerade in einem der Nationalparks oder regionalen Naturreservate unterwegs bin, berichte ich auf meinem Blog “Expedition Abruzzen” über die verborgenen Schätze in meiner Wahlheimat und versuche so Neugierde und Lust zu erwecken, Italien auch abseits der üblichen Metropolen und Touristenrouten zu entdecken.

Stadt, Land, Blog – Die „Geburt“ von Expedition Abruzzen

Warum auch nicht. An Begeisterung, Erfahrungen und Erlebnissen mangelt es keineswegs. Deswegen schien mir in der Theorie diese “Ich-schreibe-einen-Blog-über-eine-Region-in-Italien-die-kaum-jemand-kennt-Sache ” vollkommen logisch.

Der Majella Nationalpark: einer meiner absoluten Lieblingsorte – zwischen Himmel und Erde, bzw. den Bergen und der Adria!

Endlich hatte ich eine eigene kleine Nische gefunden, die mir, meinen Ideen, Interessen und Talenten auf den Leib geschneidert schien. Ich wollte immer schreiben! Warum nicht über eine unbekannte Region, deren Vorzüge und verborgene Schätze ich Sommer für Sommer ergründen durfte? In der Praxis hingegen würde ich ganz schonungslos sagen, dass der Plan, unter die Blogger zu gehen durchaus Potential für Top Ten meiner dümmsten Ideen hat.

Glaubt mir, wenn es um dumme Ideen geht, habe ich wirklich einiges auf dem Kerbholz. Angefangen von selbstgemachten Ponyfrisuren mit der Küchenschere bis hin zu kindlichen Eskapaden wie damals, als ich mit meinem kleinen Bruder aus dem Kindergarten abgehauen bin. (Weil wir uns im Wald, wie Ronja Räubertochter und Birk Borkason, auf Moos betten und von Beeren ernähren wollten.) Oder, als ich mich für den Studiengang Italienische Philologie entschieden habe, weil ich so im Nebenfach Publizistik belegen konnte, ohne Wartesemester und, noch viel wichtiger, ohne Berlin zu verlassen. Nur, um dann, als ich gerade damit fertig war, einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Konkret bedeutete das in meinem Fall: 1. besagten Reiseblog ins Leben zu rufen, 2. meinen Job und die Wohnung in Berlin zu kündigen, um 3. in ein knapp 2.000-Seelen Dorf in den italienischen Abruzzen zu ziehen, das mich auf den ersten Blick tendenziell mehr verstört als verzaubert hat.

Die (unfreiwillige) Entdeckung der Langsamkeit

Natürlich war das keine Entscheidung, die von einem Tag auf den anderen getroffen wurde. Es war im wahrsten Sinne ein schleichender Prozess, der zu diesem “Sinneswandel” geführt hatte. Ausgelöst durch einen kleinen aber folgenschweren Fehltritt…der mich gezwungen hat, das Tempo zu reduzieren.

Secinaro anno 2018 – Ein bisschen aus der Zeit gefallen sind sie manchmal schon diese Bergdörfer… aber genau das liebe ich so!

Wir schreiben das Jahr 2011, mein Erasmusjahr in Rom, und ich habe mir gerade den Fuß verstaucht. So richtig! Schlecht gelaunt und genervt humpel ich zum Krankenhaus (Nicht irgendein Krankenhaus, sondern das auf der Tiberinsel in Rom! Wenn schon leidend in irgendeiner Erste Hilfe Notaufnahme rumsitzen, dann an einem historisch bedeutsamen Ort). Schlimmer als die Stunden des Wartens war, was danach kam: Vor mir lagen sechs Wochen der unfreiwilligen Entschleunigung. Mit einer blau-weißen Schiene, die mich blockierte wie eine zentnerschwere Fußfessel und mich zwang meine Laufgeschwindigkeit radikal zu drosseln. Geduld, das war nie mein Ding. Und für Langsamkeit hatte ich keine Zeit.

Entschleunigung – von der Not zur Tugend?

Abruzzen ist,… wenn du unterwegs mehr Schafe als Autos triffst.

Es wäre jetzt schön zu erzählen, dass die Entdeckung der Langsamkeit eine Erfahrung war, die mich nachhaltig bereichert hat, mir neue Perspektiven eröffnet hat, ich sie lieben und schätzen lernte und dadurch vielleicht sogar ein besserer Mensch geworden bin.

Aber es wäre gelogen! Ich habe es gehasst und jedes Mal geflucht und geschimpft, wenn ich beim Treppensteigen das Bein hinterherziehen musste, wie es sonst nur kleine Kinder oder alte Leute tun! Aber außer der Erweiterung meines Schimpfwortschatzes gab es noch eine andere positive Begleiterscheinung.

Mein eher miss- als anmutiges Humpeln war nämlich Anlass für das erste Gespräch mit Ivan, dem Verkäufer aus dem Copyshop neben der Mensa. Heute mein Ehemann und ganz zufällig der Grund, weshalb ich (nach Fernbeziehung und sechs gemeinsamen Jahren in Berlin) im wunderschönen aber unbekannten Peligna-Tal gelandet bin. Wo ich bei Instagram mit Hashtags wie #Slowtravel und #langsamreisen um mich werfe, obwohl mir diese Plattform vor wenigen Jahren noch suspekter war, als das Genre des Reiseblogs.

Neues Leben in alten Mauern

“Eigentlich hab ich mir das alles ganz anders vorgestellt” – ein Satz, der mir in den vergangenen Monaten immer wieder durch den Kopf spukte. Ursprünglich war das Projekt Expedition Abruzzen nicht als reiner Reiseblog ausgelegt, sondern als Sprachrohr gedacht. Eigentlich bestand die Idee, das leerstehende Haus von Ivans Oma in eine kleine Pension zu verwandeln. Ivans Heimatdorf sollte für uns nur eine Zwischenstation sein und der Blog in erster Linie signalisieren: “Seht her, wir kennen uns in der Umgebung wirklich gut aus und sprechen eure Sprache. Besucht uns, fragt uns, kommt her und verliebt euch in dieses wunderbare Fleckchen Erde, das voller Überraschungen steckt und so viel mehr bietet als ich je gesucht hätte!” Das alte, schiefe Haus von Ivans Oma haben wir mittlerweile aufgekauft. Allerdings nicht, um es zu vermieten, sondern, um selbst dort zu leben. Nicht mehr zu suchen, sondern zu bleiben. 

Expedition Abruzzen, Leben in Italien Auswandern

Noch immer ein bisschen unwirklich: Der Blick auf die Berge, die Wäsche flattert in der Gasse und irgendwo bellt ein Hund oder es schreit ein Esel.

Nun lebe ich hier, in einem verwinkelten und jahrhundertealten Haus im autofreien Centro Storico, in dem Leerstand und Katzen die meisten Gassen dominieren. Vor 3 Jahren hab ich auf meinem Balkon noch die Berliner S-Bahn gehört. Jetzt ist es ein Esel und im Sommer die Schwalben während ich die Wäsche im Wind flattern sehe. Dazwischen liegen 1.600 Kilometer. Extremes Heimweh, sonnengereifte Tomaten, Ungeduld, gutes Essen, zwei Umzüge, Zukunftsängste, Weinlese, Identitätskrise, Olivenernte, viel viel Liebe, Dankbarkeit, eine deutsch-italienische Hochzeit, eine globale Pandemie, reichlich Hoffnung und ein gestärktes, tief verwurzeltes Vertrauen, dass es das “Richtige” ist.

Der erste Eindruck zählt, ist aber nicht unbedingt der bleibende

Wenn es auf Expedition Abruzzen gerade etwas ruhig geworden ist, dann liegt das daran, dass wir alle Hände voll mit dem Umbau des alten Hauses zu tun haben. Und ich im Moment für ein neues Projekt schreibe. Auch hier war wieder eine Begegnung der Auslöser. Diesmal die mit Annett, besser bekannt als Deutsche Roemerin, für deren Blog ich ich in der Capitale unterwegs bin. Dort versuche ich Touristenpfade NICHT zu meiden, sondern ihnen gezielt zu folgen und Altbekanntes mit neuen Augen zu betrachten.

Letzten Endes geht es gar nicht so sehr um die Frage ob Stadt oder Land, Metropole oder Dorf, Highlight oder Geheimtipp, Italien oder Indonesien. Viel wichtiger sind Begegnungen, die wir unterwegs machen. Begegnungen, die Austausch ermöglichen, uns berühren, zum Nachdenken anregen oder zum Lachen bringen und unseren Blick auf Dinge lenken, die wir ansonsten vielleicht übersehen hätten.

Reisen als Raum für Begegnung

Es war nicht das gesenkte Tempo, sondern die Begegnung, die in mir (ganz langsam und sanft) die Weichen für einen Neuanfang gestellt hat. “La vita è l’arte dell’incontro” heißt es auf italienisch. Das Leben ist die Kunst der Begegnung. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das ganz besonders für das Reisen gilt. Mit Reisen meine ich nicht ein Abhaken von Ländern, in denen man mal war und irgendwas besichtigt und gegessen hat.

Reisen ist so viel mehr als die Summe der Orte besuchen, der Erlebnisse und Aussichten die wir unterwegs genießen. Das Reisen steht und fällt mit den Begegnungen, den Menschen, die wir unterwegs treffen!

Ein guter Guide, der mit seiner Begeisterung ansteckt.  Ein Gastgeber, der nicht nur sein Haus öffnet, sondern auch sein Herz und uns so das Gefühl gibt Teil der Familie zu sein. Und so viele mehr…

Expedition Abruzzen, Italien Geheimtipp, Opi Bergdorf

Eine kurze, aber besondere Begegnung im Dorf Opi

Die alte Frau, die auf dem Stuhl vor ihrem Haus in einem kleinen Bergdorf Wolle bearbeitet und anfing zu strahlen und mir zu danken, als ich gefragt habe, ob ich sie fotografieren darf.

Die zahnlose Schäferin mitten im Nirgendwo, die schweigend
mit ihrer Herde vorbeizieht. Deren Gesicht aber Bände spricht, über das „einfache Leben“, das vielleicht doch nicht immer so einfach sein kann.

Und dann war da noch der Bauarbeiter, der dabei war die Straße zu reparieren, als ich mit einem riesigen Hirschgeweih in der Hand an ihm vorbeilief, das ich kurz zuvor am Fluss gefunden hab.

Wie sich herausstellte war er ein echter Experte auf dem Gebiet!

Ein einmaliges Geschenk vom Fluss.

Jedes Jahr geht er mit seinen zwei Söhnen durch die Berge auf die Suche nach abgeworfenen Hirschgeweihen. “Du hast da einen echten Schatz gefunden, den man nicht mit Geld aufwiegen kann!” -sagte er zu mir, nach dem er uns stolz einige Fotos der Trophäen zeigte, die seine Söhne oder er gefunden haben.

Oh, wie recht er doch hat! Aber damit meine ich nicht unbedingt das Hirschgeweih, sondern so viel mehr!

Wisst ihr, was das beste an der Geschichte ist? Eigentlich wollte ich zuhause am Computer bleiben und für einen längst überfälligen Blogartikel recherchieren… dann wüsste ich bis heute nicht, dass Hirsche ihre Geweihe jedes Jahr abwerfen.

Das Unsichtbare sichtbar Machen – mit vereinten Kräften von amavido und Expedition Abruzzen!

Begegnungen, der damit verbundene Austausch, Gespräche, Interesse, Neugier und absurde Zufälle sind etwas, das man nur schwer planen kann. Begegnungen passieren dann, wenn wir uns auf sie einlassen! Für meinen Teil hatte ich einfach Glück, rein zufällig in die abruzzische Dorf-Community “reingestolpert” zu sein. So durfte ich immer tiefer in die italienische Kultur eintauchen, sie kennen und verstehen lernen. Genau dieses Glück will ich gerne teilen. Mit den Mitteln, die ich habe. Im Moment sind das hauptsächlich Worte (und viel zu viele Handyfotos).

Worte die auf mehr abzielen als zu sagen: “Been there. Done that. Schaut Mal, was ich alles erleben durfte!”, sondern Ermutigung sein sollen, Begegnungen zuzulassen. Nimm auf Reisen wie im Alltag einfach mal die Geschwindigkeit raus! Schenke den kleinen, unscheinbaren und einfachen Dingen etwas mehr Raum und Wertschätzung! Mich jedenfalls hat diese Erfahrung vielleicht nicht unbedingt zu einem besseren Menschen,definitiv aber ein bisschen zufriedener, dankbarer und geduldiger gemacht.

Italiens Dörfer – Eine Schatztruhe, die man nicht mit Geld aufwiegen kann!

Und genau deswegen liebe ich all meine Irr- und Umwege, die mich letztlich auch zu amavido geführt haben. Im Prinzip arbeiten wir an der gleichen Vision, nur eben bisher nicht gemeinsam.

Das Bergdorf Pacentro, eines der schönsten Borghi Italiens, thront über dem Peligna-Tal.

Wer weiß, vielleicht klappt es eines Tages doch noch mit der eigenen Pension in den Abruzzen. Vielleicht werde ich dann sogar einer der amavido-Hosts, die euch persönlich willkommen heißen dürfen. Wie wie Alberto, der sein Elternhaus in ein kleines BED & BREAKFAST verwandelt hat und euch im wunderbaren Pacentro, das ihr auf dem Bild seht und gleichzeitig eines meiner absolten Lieblingsdörfer in unserem Tal ist, empfängt.  Bis es soweit ist, schaue ich für euch gerne hinter die Kulissen, verlaufe mich in kleinen Bergdörfern, erzähle euch von Orten, Traditionen und Geschichten meiner Wahlheimat, um so einen eigenen kleinen Beitrag zu leisten, das Unsichtbare sichtbar zu machen.

Eins steht fest: Die Welt ist voller unentdeckter Schönheit. Ob wir auf eigene Faust auf Schatzsuche gehen oder wir uns dabei inspirieren, beraten und auf die Sprünge helfen lassen wollen? Das liegt an jedem von uns!

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