Folgt unserer amavido Reise-Expertin Katrin in ihrem Reisebericht Kalabrien auf ihrer lang ersehnten Reise in den Süden nach dem Lockdown!

Ihre Italiensehnsucht – diese tiefe Lust auf den Süden – war während der monatelangen Quarantäne immer stärker geworden…

Dann Mitte Juni war es endlich soweit! Die Grenzen waren wieder geöffnet und Katrin konnte wieder los in den Süden: Endlich konnte sie ihr geliebtes Kalabrien wieder umarmen, das sieben Jahre lang ihr Zuhause war. Und noch viel mehr – sie hat mit ihrer Reise ein neues Rundreiseformat getestet, das wir ab Herbst 2020 anbieten möchten..

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Unseren letzten Blogartikel hat unsere Kollegin Susa in Albenga in Ligurien vor genau 3 Monaten und 15 Tagen publiziert, danach ist erst Italien, dann Europa und die Welt in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nicht ohne sich vorher – das wissen wir ja nun – “ziemlich in den Finger stechen zu müssen.” Ein Artikel über das große Fernweh nach Italien und das Erwachen aus dem Dornröschenschlaf.

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Italien Sicherheitszone - "Wie komisch ist es, Geburtstag ohne Umarmungen zu feiern?"

 

Albenga, Samstagabend, 7. März 2020

Der Abend der Regierungserklärung mit neuen Restriktionen

… und der Geburtstag, seitdem es keine italienischen Küsse „baci e abbracci“ mehr gibt

Was meint Ihr?! Verantwortungsvolles Handeln, strikte Regeln befolgen, Bürgersinn und rücksichtsvolle Koordination? – das sind nicht gerade Eigenschaften, die wir Deutsche den Italienern normalerweise zuschreiben.

„Weit gefehlt“, sage ich als deutsche amavido-Mitarbeiterin, seit 17 Jahren in Italien.In Ligurien erlebe ich gerade hautnah mit, wie Italien sich kollektiv anstrengt, die Coronavirus-Epidemie mit großer Sorge und Verantwortung, so gut wie möglich im Griff zu behalten. Und wie unser geliebtes Bel Paese dabei extremen wirtschaftlichen Problemen entgegengeht…

Seitdem Ende Januar ein chinesisches Ehepaar bei ihrem Rombesuch als positiv getestet wurde und unmittelbar in die römische Spezialklinik Lazzaro Spallanzani in Isolation gebracht wurden, begann die verantwortungsvolle, italienische Eindämmungspolitik, die noch heute eine unkontrollierte Explosion der Fälle und die Überlaufung der Krankenhäuser verhindert.

Wissenschaftler und hochrangige Virologen sind sich, hier vor Ort, sicher:

Italien tut das Richtige, auch im Sinne von ganz Europa. Ja, das Land tut sich selbst und Europa einen großen Gefallen. 

Seit Ende Februar bis zum 09.03.2020 waren in Norditalien 10 Gemeinden in der Lombardei, rund um Codogno und eine Gemeinde im Veneto in absoluter Quarantäne. Es war das Beste, was zur Eindämmung getan werden konnte, aber dann…

… kam alles noch schlimmer!

Sonntag, 8. März 2020

Ein wirklich schöner, sonniger Sonntagmorgen: Die erste, warme Frühlingssonne grüßt bei leichtem Wind über das Ligurische Meer. Wir hatten am Abend Francos Geburtstag gefeiert, was uns allen gerade jetzt besonders gut getan hat: Endlich mal wieder Freunde sehen, guten Wein trinken und lecker essen, auch wenn es sehr komisch war, dass selbst unsere italienischen Freunde keine Küsschen rechts und links zum Gratulieren und zur Begrüßung austauschten… Irgendwie waren wir beunruhigt, fast fühlten wir uns schuldig, als wäre schon diese nette, kleine Gesellschaft eine zu große Menschenansammlung, in Anbetracht der Epidemie… Dieses Bewusstsein ist neu, aber verantwortungsbewusst… Es war trotz allem oder gerade deshalb ein schönes Fest.

Zusammensein, das werden wir morgen mehr denn je wissen, ist ein sehr wertvoller menschlicher Moment.

Die Natur und der italienische Frühling schreiten voran, als gäbe es gar keine Epidemie...

Morgendliche Brise vom Meer, jenseits der Hofmauer – Die Natur und der italienische Frühling schreiten voran, als gäbe es gar keine Epidemie…

Erstmal wach werden, strecken und Kaffee machen… Doch da ist er sofort wieder: Der tägliche, fixe Gedanke an Coronavirus! – Wie ein Stachel trifft er mich nun seit Wochen jeden Morgen hier in Italien!

Da ist sie gleich wieder: die harte Realität dieser Wochen:  Wie immer läuft der Fernseher mit den letzten Nachrichten über die Ausbreitung der Coronavirus-Infektionen… Auch wir hatten uns, hier in Ligurien, schon irgendwie an die Situation gewöhnt: 10 Gemeinden rund um Codogno in der Lombardei und eine Gemeinde im Veneto waren Ende Februar zur „Stufe Rot“ erklärt worden und seitdem in Quarantäne. Schulen und Universitäten, Theater und Kinos geschlossen. Hoffentlich kommen diese ganzen Lombarden nicht jetzt an die Ligurische Riviera in ihre Ferienhäuser, wie immer am Wochenende oder in den Ferien!

Aber dennoch: Ganz Italien fühlte mit den über 50.000 Bürgern, die sich nicht aus ihrem Gebiet heraus bewegen durften, um die Ausbreitung des Virus‘ einzudämmen. Wir bewunderten die freundliche Ruhe der Menschen und Polizisten rund um die abgesperrten Gemeinden, die mit sicherem Abstand Tüten oder Pakete von Freunden und Verwandten außerhalb der abgesperrten Zone entgegennahmen, die für die Leute in Quarantäne bestimmt waren. Jeden Morgen schauten mein Mann und ich im Fernsehen die aktuelle Politsendung Agorà, in der hochqualifizierte Ärzte, Politiker und Journalisten zu Worte kommen.Um bei aller Ernsthaftigkeit auch ein wenig das Drama zu entschärfen, sprach man auch schon von den „positiven Nebenwirkungen“ der Isolierung zuhause:

  • Söhne, Töchter und Eltern, die jetzt das Zusammenleben mit der Familie wieder neu kennenlernen müssen
  • Vielleicht mehr miteinander reden, auch mal ohne Smartphone, Langeweile ertragen … und, kaum auszudenken…
  • vielleicht auch mal wieder ein Buch lesen!!
  • Jugendliche, die sich einsam fühlen, ihre Mitschüler und sogar den Kontakt mit der Schule und den Lehrern vermissen, weil sie endlich merken, dass WhatsApp und Instagram allein nicht glücklich machen
  • Und: Nicht zu vergessen! Die Scherze über die italienische, niedrige Geburtenrate, die jetzt vielleicht sogar Ende des Jahres bessere Zahlen haben würde…

Also, es hatte sich irgendwie ein Status Quo eingestellt: Selbst die tägliche Live-Schaltung mit dem jungen Lehrer aus Codogno, Roberto Cinghetti, der aus der ersten Quarantäne-Zone seit dem 27.02. vom Alltag und seinen online-Unterrichtsstunden berichtete, war für uns langsam Teil der merkwürdigen Normalität in Zeiten der Virus-Epidemie geworden…

Aber jetzt ist alles anders: Seit dem 09.März ist ganz Italien zur „Zona protetta – Gesicherten Zone“ erklärt und die Bewegungsfreiheit auf das Minimum der Arbeit und Grund- und Lebensmittelversorgung reduziert. Wir bleiben zuhause, um eine weitere Ausbreitung des Virus‘ und die Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Punto e basta!

Mittwoch, 11.März.2020 – 3. Tag – Italien in Sicherheitsquarantäne

Heute morgen habe ich erstaunt aus dem italienischen Fernsehen gehört, dass in Deutschland gestern Abend das Fußballspiel Leipzig – Tottenham immer noch vor 45.000 Zuschauern ausgetragen wurde. Vor zwei Wochen haben wir uns hier in Italien auch, als Sportbegeisterte darüber beschwert, dass die Fußballspiele ohne Publikum gespielt wurden, aber jetzt wissen wir, dass es sinnvoll ist, Großveranstaltungen abzusagen. Wir haben hier in Italien sowieso den Eindruck, als ob Deutschland noch nicht begriffen hat, wie Ernst die Lage ist…

Es ist ja auch sehr verständlich! Wie gespenstisch ist das auch vor leeren Rängen zu spielen! Und Freude kommt dabei wirklich nicht auf. Es ist nicht leicht, unsere geliebte Normalität und Gewohnheiten aufzugeben.

Aber die italienische Regierung stellt mit ihren strikten Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung die Gesundheit der Bürger an allererste Stelle – alle anderen Dinge kommen danach. Große wirtschaftliche Probleme, Einbußen vor allem im Tourismus machen sich jetzt schon sehr schmerzhaft bemerkbar.

Blumen und Kräuter aus den Plantagen von Abenga - alles ist in Standby #KeepDreamingItaly #andràtuttobene

Abenga momentan in Standby #KeepDreamingItaly

Wie soll man die wirtschaftlichen Verluste im „Bel Paese“ je wieder aufholen?!

Darüber reden wir später, sagt die italienische Regierung. Eine Notfallfinanzierung ist schon auf dem Weg. Aber zuerst muss die Unversehrtheit der Person sichergestellt sein. Dazu gehört auch die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems, sprich die Funktionalität der Krankenhäuser, die der Zahl der Infizierten gerecht werden müssen. Das Motto dieser Tage mit dem hashtag #iorestoacasa – Ich bleibe zuhause steht für ein verantwortungsbewusstes Verhalten der Italiener zur Hilfe und Nutzen aller!

Wir sind jetzt in Italien #distantimauniti, also voneinander entfernt, aber vereint. In den Socials läuft mit diesem hashtag eine fantastische Durchhalteaktion von Schauspielern, Sängern, Sportlern und allen anderen Leuten. Schaut’s Euch an! https://www.facebook.com/amavido/

Es wäre zu schön, wenn dieses Motto auch in Zukunft insgesamt mehr gelten würde…

#distantimauniti – räumlich getrennt, aber vereinter als Menschen!

Heute leben wir, auch ich hier in Ligurien, in absoluter Isolierung zuhause. Wir gehen nur raus, um einzukaufen. Das „Darüber reden wir später“ von Ministerpräsident Conte gibt mir im Moment das Gefühl von Sicherheit. Ich bin Deutsche und von meiner Mentalität her auch gewöhnt, alle Dinge vollständig zu durchdenken und zu problematisieren, um nicht zu sagen, auch oft zu „zerreden“. Die italienische Grundhaltung des „Alle zuhause bleiben, alles andere kommt später“  zeigt mir im Moment aufs Neue, das was ich an meiner Wahlheimat schon immer so liebe: Die italienische Fähigkeit, sich aufs Essentielle zu konzentrieren, auf das unmittelbar Vorliegende – kurz gesagt:

… auf den Moment! 

Das heißt nicht, dass die Italiener sich der enormen Problematik und langfristigen Konsequenzen der Epidemie nicht bewusst seien. Aber sie wissen, es bringt nichts, sich noch mehr verrückt zu machen: Jetzt geht’s erstmal um die essentielle Eindämmung und das Leben als solches.

Ich bin online für amavido tätig, zum Glück mit den Fingern auf der Tastatur, aber mein italienischer Mann musste heute morgen, ein offizielles Formular ausfüllen, um zu erklären, warum er, wohin, zur Arbeit gehen muss. Er kann als Weintechniker leider seinen Wein nicht vom Computer aus bearbeiten! Das Leben geht weiter! Gerade, während ich diesen Artikel schreibe, höre ich Gärtner und Landarbeiter draußen arbeiten, auch obwohl der Verkauf nach Deutschland und anderen nordeuropäischen Ländern ungewiss ist. Aber soll man machen? Die Blumen und Kräuter aus Albenga, der italienische Wein und tausende von exzellenten italienischen Lebensmittel müssen erwirtschaftet und verkauft werden!

Die Weinrebe wartet auf die gute Hand des Winzers und lässt in der Zwischenzeit mal ein "Herz" wachsen...;-)

Die Weinrebe wartet auf die gute Hand des Winzers und lässt in der Zwischenzeit mal ein „Herz“ wachsen…;-)

Das Schlimmste bei dieser Epidemie ist sowieso die Angst. Man sollte sie aufnehmen, akzeptieren, in den Alltag integrieren und auf diese Art eben nicht verstärken, sagen meine wunderbaren italienischen und lebensklugen Freunde. Haha, eine schöne Lebensweisheit meines italienischen Lebens ist ja eh: „Wenn Du es sowieso nicht ändern kannst, versuch das Problem zu akzeptieren und lenk Dich ab!“ Momentan ist das Netz voll mit guten, italienischen Tipps, wie man sich indoor am besten beschäftigen kann. Wir halten Euch über facebook amavido.de auf dem Laufenden über coole Aktivitäten, wie Pasta machen, spontane Homie-Konzerte und andere Verrücktheiten, um die Ausgangssperre erträglicher zu machen. 🙂 Die italienische Fantasie kennt ja keine Grenzen, das wisst Ihr ja!

Ablenken ist in Italien nach wie vor sehr einfach: Schönheit und Genuss haben Italiener in Hülle und Fülle, sobald sie die Nase vor die Tür stecken, das kann ich bestätigen …. Vor allem NACH dieser Horrorzeit wird uns die italienische Küche und der Wein noch besser schmecken! Gerade weil wir jetzt alle gezwungen sind, zuhause zu bleiben. – ANZI, sagen die Italiener, das heißt „ganz im Gegenteil“: Wir werden besser, noch stärker und noch vereinter produktiv und exzellent sein, wenn wir aus dieser Horrorsituation herauskommen!

Die Italiener und vor allem die Kinder und Jugendliche um mich herum sagen: „Andrà bene! – Es wird gut gehen! Eben genau , weil diese apokalyptische Zeit uns lehrt, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten!“ Ich lebe seit 17 Jahren in Italien. Noch nie habe ich dieses Land so vereint wahrgenommen, wie in diesen Wochen… „Non tutto il male viene per nuocere. – Nicht alles, was schlecht ist, richtet ausschließlich nur Schaden an.“

Alle zuhause – verantwortungsvoll und mit dem Bewusstsein  „back to basics“

12. März 2020

Puuh… Noch ein Schlag vor’n Bug! Seit heute sind auch die Restaurants und Bars komplett geschlossen. Wir haben dieses Jahr echt viel Zeit, Frühjahrsputz zu machen, sagen meine Freundinnen!

Aber wir können uns leider im Moment nicht besuchen… Was braucht der Mensch also im Grunde genommen, fragen wir uns?!

Lassen wir mal die Panikeinkäufe außen vor! Hysterische Aktionen sind auch nur ein Zeichen für Egoismus, auch wenn die Angst um die eigene Nahrungsmittelversorgung menschlich verständlich ist. Aber so machen diese Menschen der Hamsterkäufe doch genau das Gegenteil dessen, was der Gemeinschaft im Moment dient:

 Distanz

Im Moment lernen wir schmerzhaft, dass Distanz uns näher bringt –

und DAS ausgerechnet im Italien der „baci e abbracci“ – „Küsse und Umarmungen“!

Wir müssen im Moment erleben, dass menschliche Distanz unsere Gesundheit bewahrt

und dass wir sonst unserem Gegenüber schaden würden.

(Nicht, dass wir das nicht schon vorher waren, aber jetzt gibt’s keine Ausrede mehr.)

Wir hatten uns ja sowieso schon mit unechter, social networks-Nähe voneinander entfernt.

Jetzt sind wir gezwungen, vom Anderen entfernt zu leben und merken,

wie sehr uns die gesunde menschliche Nähe fehlt.

Aber die ist schon wieder auf dem Weg…

mit

mehr community, mehr humanity und mehr Freude am menschlichen Miteinander!

Echte fruchtbare Vernetzung

 

Wie machen die Italiener das nur? oder: Die italienische Kunst dell’arrangiarsi

Die Italiener sind echt cool – irgendwie dramatisch und cool gleichzeitig! Was ich seit vielen Jahren in meiner Wahlheimat Italien liebe, zeigt sich in diesen Tagen in schmerzhafter Extremform, aber es ist auch genau DIE besondere Kraft dieses Landes:

Die absolute Verbundenheit zu den essentiellen Dingen des Lebens!

Das urwüchsige back to basics – das, was wir Deutschen, mehr als die Italiener selbst, Dolce Vita nennen – zieht uns seit Jahrhunderten nach Italien. Es scheint, als ob hier das Leben viel mehr als bei uns, in seiner reinsten Form gelebt würde. Egal in welchen Schwierigkeiten Italiener ihr Alltagsleben bewältigen müssen, sie hören nie auf, die ursprünglichsten Lebensfreuden, Essen, Trinken, Lachen, Freundschaft 100% wahrzunehmen und zu genießen. Sie funktionieren, aber sie verlassen den Genuss nicht zugunsten der Funktionalität.

Es ist natürlich oberflächlich gedacht, die italienische Lebensart nur als Dolce Vita zu bezeichnen. Es geht nicht nur um Lebensgenuss und Aperitivo. Das, was Italiener leben, ist das Bewusstsein, wie wertvoll Wohlergehen und Freude für unsere Lebensqualität ist. Mehr als jeder Überbau aus Funktionalität, Effizienz und Verhaltenskonventionen.

Es geht nicht nur um Lebensgenuss und Aperitivo. Das, was Italiener leben, ist das Bewusstsein, wie wertvoll Wohlergehen und Freude für unsere Lebensqualität ist.

„Es gibt ein Problem? – Ok, nicht lange quatschen, lass uns einfach was machen!“ Als Deutsche in Italien hatte ich oft in Arbeitssituationen deutsche Kollegen oder Freunde neben mir, die in Not- oder Stresssituationen hilflos waren, weil sie geordnete Bahnen verlassen mussten. Italiener nicht! Sie krempeln die Ärmel hoch und reagieren subito – 😉 Das einzige Problem war dabei dann nur, dass alle gleichzeitig und unkoordiniert losliefen, haha, in DEM Moment hilft dann deutsche Koordinationsfähigkeit, aber egal: Irgendwie wurde die Situation gemeistert! 

„L’arte dell arrangiarsi bedeutet „irgendwie immer das Beste draus machen“. Aber ich kann in diesen Zeiten der Epidemie auch versichern, dass Italien momentan nicht „irgendwie“ handelt, sondern rigoros und koordiniert.

Italien ist ein Land, das historisch und soziologisch an Invasionen und Notfälle gewohnt ist. Unsicherheit ist ein Lebensgefühl, an das man hier gewohnt ist. Das italienische Territorium ist fragil, allein schon wegen der geographischen Beschaffenheit der Halbinsel: Über 8000 Kilometer Mittelmeerküste und die „Wirbelsäule“ des Landes, der Appennin-Gebirgskette von Piemonte bis runter nach Apulien. Aber auch das macht dieses Land und seine Menschen so essentiell verliebt in das Leben. Seit ich in Italien lebe, denke ich: Man nimmt dramatische Ereignisse in das eigene Alltagsleben auf und macht das Beste daraus. Worte und Reaktionen wie: „Geduld!.. Was willst Du machen?!… Tranquillo! …

Aber jetzt ist es anders: Das gesamte Land ist lahmgelegt

Seit dem 12. März sind alle Restaurants und Bars geschlossen, die davor wenigstens noch bis 18 Uhr arbeiten konnten. Das gesamte öffentliche Leben ist reduziert auf die unverzichtbaren Notwendigkeiten der Einkäufe und minimalen Erledigungen. Wir können es nicht anders sagen:

Die italienische Wirtschaft braucht unsere Reisenden in Zukunft mehr denn je! #KeepDreamingItaly

Italien ist im Moment von einem unsichtbaren Feind in sich selbst gefangen. Von einem Feind, den wir nicht sehen und nicht anders bekämpfen können, als nur mit Vermeidung und Ausgangssperre. Aber diese Zeit wird vorbeigehen! Der Höhepunkt der Infektionen wird wie in China erreicht und rückläufig  werden, aber wir können nicht voraussehen, wann dies passieren wird.

Eins ist sicher, Italien wird nicht im Mittelmeer versinken! Vergänglichkeit ist nur ein schöner Begriff. Literaten sagen: Die Schönheit der Antike Italiens stirbt, seitdem es sie gibt und sie vergeht dennoch nicht.

Die landschaftliche Schönheit wird weiterbestehen und die Sonne ist auch in diesen letzten Virus-Wochen bei uns hier in Ligurien immer über dem Meer aufgegangen. (auch wenn Franco bei seiner Geburtstagsfeier weniger geküsst wurde, was ihm sogar im Grunde genommen ganz Recht war! 😉

Die Italiener werden also auch weiterhin so großartig, fantasievoll und laut sein und so leben, lieben, essen und trinken, wie wir Deutschen es mögen! Unsere deutsche Italiensehnsucht ist jahrhundertealt und die kriegt auch so ein blöder Virus nicht für lange Zeit ausgebremst!

Bis dahin: #KeepDreamingItaly! 

Es gibt eine Zeit nach Coronavirus und es gibt auch wieder die Zeit, in der Deine treuen amavido-Reisenden zu Dir zurückkommen können!

Die italienischen Kinder langweilen sich gerade sehr zuhause, vermissen ihre Schulkameraden und haben angefangen selbstgemalte Spruchbänder aus den Fenstern zu hängen. Darauf steht bunt über dem gemalten Regenbogen:

Alles wird gut – Andrà tutto bene!

Unsere nächste Geburtstagsparty hier in Ligurien ist auch schon in der Planung und genauso auch meine Reise als amavido-Redakteurin im Sommer. Und auch, wenn ich dabei nicht soviel umarmt werde, wie vorher: Meine Freunde in Süditalien freuen sich trotzdem schon darauf!

Das ist das zuversichtliche Italien, das ich mag.

#KeepDreamingItaly #DistantiMaUniti #amavido

 

 

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Drinnen oder Draußen, privat zurückgezogen oder zusammen mit Anderen?! –

Vor allem in den warmen Sommermonaten scheint uns Deutschen dieses Konzept in den italienischen Dörfern wie aufgehoben zu sein.

Das Leben ist geprägt von einem freundschaftlichen Miteinander, bei dem sich die Grenzen der Wohnungen gerne und oft aufheben. Die Häuser der mittelalterlichen Borghi erscheinen uns Besuchern wie ein einziges Gebäude, das  aneinandergewachsen ist und dieses Eins-Sein scheint sich wohl auch auf seine Bewohner und ihr Lebensgefühl zu übertragen: „Drinnen und Draußen – „Bei Dir oder bei mir“ – das sind Kategorien, die auch unseren Sohn Davide in unserem Urlaub im Sant’Ambrogio überhaupt nicht mehr interessierten. Er liebte es frei und ungezwungen, den ganzen Borgo zum Spielplatz zu erklären und die Bewohner „spielten“ gerne dabei mit“, erzählt mir der neapolitanische Fotograf Luca Abbiento. Und als ich seine Fotos sah, war mir sofort klar, dass ich dieses Lebensgefühl weitererzählen und mit Euch teilen möchte, als …

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